Sensei YAGI MEITOKU



Hinweis : Geschrieben von einem Reporter des monatlichen Magazins "Aoi Umi" Ausgabe Februar 1978. (Englische Übersetzung: Sanzinsoo)

"Ich spreche nicht gern über Karate" sagte YAGI MEITOKU. Das heißt, eigentlich spricht er nicht gern darüber, wie man sich gegen einen Gegner mit der oder der Technik verteidigt oder wie man mit Karate gewinnen kann. Das ist eine der Lehren seines Meisters MIYAGI CHOJUN. Es wird gesagt, dass Miyagi Sensei keine Geschichten über Karate-Heldentaten hat.
Jeder Karateka, dessen Hände und Füße wie Schwerter benutzt werden können, sollten sich daran erinnern, das Yagi Sensei meint.

Yagi Meitoku, der Chief-Instructor des "Meibukan" Goju ryu Karate, wurde 1912 in Kumemura, Naha (Okinawa), geboren, wo er noch heute lebt. Er war kein starker Junge, war aber auch nicht schwach.
Auf Anraten seines Großvaters Noko, begann Yagi im Alter von 13 Jahren, nachdem er die Eingangsprüfung der Okinawanischen Zweiten Mittelschule bestanden hatte, mit dem Karatetraining.
Früher war es gewöhnlich so, dass die Männer "Te" (=Karate) erlernten. Sein Großvater nahm in mit zum Haus von Miyagi Sensei. "Ich bitte Sie, meinem Sohn, einem Nachkommen von Jana Oyakata, Karate zu unterrichten." sagte der Großvater zu Miyagi Sensei. [Jana Oyakata war der höchste Generalsrang des Ryukyu-Königreiches (heute Okinawa) zur Zeit von König SHONEI. Er kämpfte am erbittertsten gegen die japanische Invation, als der Shimazu-Clan, ein mächtiger Samurai-Clan, im Jahr 1609 Okinawa überfiel - Anm. d. Ü.]

Meister Miyagi wurde von den Menschen "Busaa Maagushiku" (=Miyagi der Karatemeister im okinawanischen Dialekt) genannt und war sehr bekannt. Er wurde auch bekannt als Gründer des Goju ryu Stils. Er entwickelte die Goju ryu Kata "Gekisai 1", "Gekisai 2" und "Tensho".

Seit damals hat Yagi bei Miyagi Sensei Karate gelernt. Das Karate das er praktizierte war hart. Er musste nur die Sanchin üben - zwei Monate, drei Monate sogar ein halbes Jahr. "Meine Schultern waren voller Blutergüsse, wenn Meister Miyagi mit beiden Handflächen während des Sanchin-übens traf." sagte Yagi, als er an das harte Training der Sanchin dachte.

Meister Miyagi entwickelte Yagi's starken Körper und Kampfgeist durch die Übung der Sanchin. Er lehrte Yagi auch die moralischen Aspekte des Karate oder den "Weg des Menschen" (Moral). Eine dazu passendende Geschichte folgt hier.

Eines Tages ging Yagi in ein öffentliches Bad. Damals trainierte er noch Karate bei Miyagi Sensei. In diesem Bad half er einem alten Mann, dessen Rücken zu waschen. Der alte Mann sah die blutunterlaufenen Schultern des jungen Mannes und sagte "Du gehts in's Dojo von Miyagi Sensei, stimmt's ?" Er sagte auch "Namanugutudo Sundoo." (= "Du solltest immer freundlich zu älteren Menschen sein, so wie jetzt zu mir." - in okinawanischem Dialekt) und er dankte Yagi. Später hörte Miyagi Sensei diese Geschichte und besuchte deshalb Yagi's Haus und sagte "Das hast du gut gemacht! Es lohnt sich, dir Karate beizubringen." Miyagi Sensei war erleutet. Er segnete Yagi.

"Ich bin ein gewöhnlicher Mensch. Ich habe nichts Besonderes oder Starkes". sagte Yagi. Das heißt auch, dass er zum Karate die selbe Haltung hat wie Miyagi Sensei; Karate ist das gleiche wie Zen.

Die Motto's im Meibukan, dem Dojo von Yagi, sind "Die fließenden Wasser eines Flusses versuchen nie untereinander schneller als die anderen zu sein." und "Die Wahrheit des Karate existiert im Training deines Geistes."
Yagi stellt mit solchen Motto's die Versportlichung in Frage. Jiyu Kumite (=Freikampf) Turniere sind heutzutage sehr beliebt. Sie werden von der Japanischen Karate-Verbänden abgehalten. Eines Tages wird Karate Bestandteil der Olympischen Spiele sein. Trotzdem, die Okinawa Karate-do Federation führt solche Wettkämpfe nicht durch.

Yagi ist besorgt, „Es könnte passieren, dass wir dahin tendieren, die Kata nicht mehr nach okinawanischer Tradition auszuführen, wenn wir aus Karate eine dieser Wettkampfsportarten machen.

Das sind seine eigenen Motto’s für den Weg des Karate:

Wir haben nichts in unseren leeren Händen.
Gewaltige Kraft wie Stahl ist unsere Kata und das Erbe, was eine lange Zeit von Übung und Training bedarf.
Es ist das, wonach die Menschen suchen, nur für ihren Selbstrespekt und ihre Selbstverteidigung.

Die letzte Phrase ist eindrucksvoll.

Yagi eröffnete sein Dojo „Meibukan“ etwa 1949 oder 1950, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als er als Kundenbetreuer arbeitete. Vorher lehrte er Karate auf einem leerstehenden Parkplatz.
Das Dojo ist immer noch das selbe wie vorher. Wir werden an das alte Dojo erinnert, wenn wir ein Makiware und die Glocke im Vorraum von Yagi’s Haus sehen.
 
 

Englische Übersetzung : © by Sanzinsoo, Okinawan Gojuryu Karate
mit freundlicher Genehmigung von Sanzinsoo
Deutsche Übersetzung : © 2003 by Thomas Heinze, Budo Studien Kreis
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 letzte Änderung : 10. April 2003