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Shotokan - Kempo - Karate - Dojo "Kusunoki" e.V.
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Kyushojutsu


Der Begriff Kyusho-Jutsu leitet sich von von dem Wort Kyusho ab, was "Nervenpunkte" bedeutet. Damit sind die Nervenpunkte gemeint, die in den Kampfkünsten gern als Angriffspunkt genutzt werden. In den chinesischen Kampfkünsten gibt es ebenfalls Begriffe für diese Kunst Dian-xue oder Dim-mak.
Die Basis für die Nutzung der Vitalpunkte in den Kampfkünsten stammt aus der chinesichen Heilkunde. Dort werden die über 360 Nervenpunkte durch verschiedene Methoden stimuliert, um die Befindlichkeit des Körpers zu verbessern oder Krankheiten zu heilen. In Japan ist ein ähnliches System unter dem Nahmen Shiatsu bekannt.

Das Kyusho-Jutsu wird in vier Bereiche eingeteilt :
1. Kime-Waza
2. Nage und Kansetsu
3. Tuite
4. Jintai-Kyusho

In den Kime-waza geht es darum, mittels geeigneter Techniken (z.B. Seiken, Empi etc.) beim Gegner eine Schockwirkung zu erzielen. Die bevorzugten Angriffsziele sind dabei die Atmungsorgane, das Gehirn oder der Blutkreislauf. Eine der bekanntesten Techniken ist hierbei der Oi-zuki auf den Solarplexus.

Nage und Kansetsu sind Würfe bzw. Immobilisationen, die zusammen genutzt werden, um den Gegner kampfunfähig zu machen. Dabei werden auch hier Vitalpunktstimulationen eingesetzt.

Die Greiftechniken Tuite sind ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Kampfkünste und haben ihren Ursprung im Shaolin-Quan-fa. 

Funakoshi Gichin systematisierte auf Okinawa die Vitalpunktstimulationen unter dem Namen Jintai-Kyusho, die er auch in seinem Buch "Karate Kyohan" beschreibt. In diesem Buch sind 40 Vitalpunkte und die negative Wirkung auf diese gezeigt.

Die Kunst der Kyushojutsu erforderte von den Meister ein langjähriges Training und viel Erfahrung. Die bekannte positive Wirkung der Vitalpunkte konnte durch bestimmte Methoden natürlich auch negativ stimuliert werden. Meister fanden durch langjährige Forschung heraus, wie diese Methoden aussehen mussten. 
Somit wurde das Wissen um die Vitalpunkte eine sehr gefährliche Waffe.


Meister Funakoshi stimuliert 
den Punkt Chengjiang

Man war der Meinung dass es mehr als 15 Jahre intensiven Trainings brauchte, um diese Kunst zu beherrschen. 

So war es natürlich zuerst wichtig, die Techniken zu beherrschen. Dabei ging es um die richtige Ausführung, das richtige Abstandsgefühl und vor allem die richtige Kime-Übertragung. Es war wichtig, dass der Schüler wirklich in der Lage war, mit der richtigen Kraft die kleinen Punkte zu treffen und dann auch noch die richige "Menge" Kraft aufzuwenden.
Dabei wurde an Puppen die Lage geübt und die Kime-Übertragung wurde am Makiwara perfektioniert.

Das ganze System der Vitalpunktstimulationen beruht auf der in der traditionellen chinesichen Medizin vertretenen Auffassung über das System der Meridiane, durch das das Qi (jap. Ki) durch den menschlichen Körper fließt.
Bei geht man von zwölf Hauptmeridianen aus, die Wege des Qi sind und von Netzleitbahnen, die Wege des Blutes sind.
Auf diesem Meridianen und Leitbahnen liegen die besagten Punkte. Eine Beeinflussung der Punkte kann nun positive oder negative Wirkung haben. Diese hängt von der Art der Stimulation, aber zum Beispiel auch von der Tageszeit ab.
 

So ist erkennbar, was für ein umfangreiches Wissen es benötigt, um die Vitalpunkte zu kennen und auch die Stimulation zu beherrschen. 

Doch die Vitalpunktstimulationen sind ein Bestandteil aller traditioneller Kampfkünste. Im Karate sind sie in den Kata sehr gut verschlüsselt und für Aussenstehende oder nicht "Eingeweihte" weder zu erkennen, geschweige denn nachzumachen. Dabei sind sowohl positive, wie aber auch negative Stimulationen gemeint.

Viele Techniken des Karate enthalten auch positive Stimulationen, die aber nicht als solche erkennbar sind. So wird zum Beispiel beim Gedan-barai  beim Ausholen auf einen Vitalpunkt auf dem Hals geschlagen, der gegen Husten, Asthma, Halsentzündungen und Heiserkeit wirkt. Auch das Zurückziehen der Faust zur Hüfte bewirkt bei der richtigen Ausführung eine Vitalpunktstimulation. 
Aber auch die Stände des Karate enthalten Vitalpunktstimulationen. So werden beim Kiba-dachi gleich mehrere Punkte positiv stimuliert, die gegen die verschiedensten Leiden wirksam sind.
Auch das Makiwara-Training stimuliert einige wichtige Punkte der Faust. So gab es in vielen japanischen Haushalten ein Makiwara, ohne das ein Mitglied der Familie sich intensiv mit einer Kampfkunst beschäftigte. Durch das Schlagen auf das Makiwara wurde einfach die Gesundheit gestärkt und somit Krankheiten vorgebeugt.

Die Stimulation von Vitalpunkten war auch wichtiger Bestandteil der Erwärmung vor dem Training des traditionellen Karate. Bestimmte Übungen wurden bei gleichzeitiger Massage von Punkten durchgeführt oder es wurden nur die Punkte stimuliert.

Ein großer Teil des Wissens über Vitalpunkte wurde durch das Buch "Bubishi" übertragen, von dem nicht nur Meister Funakoshi eine Kopie besaß. Darin werden viele Punkte beschrieben, aber auch der Tageszeitrhythmus beschrieben, der für die Stimulation der Punkte wichtig ist.


 

Einige chinesische Darstellungen von
Vitalpunkten
 
Thomas Heinze
www.kusunoki.de