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Shotokan - Kempo - Karate - Dojo "Kusunoki" e.V.
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Guestbook

Heian / Pinan - Kata


 
Die fünf Heian-Kata sind wichtige Kata im Shotokan-Ryu. Sie sind die ersten Kata, der der Schüler nach den Taikyoku-Kata lernt. Sie sollen dem Schüler die Grundlagen des Shotokan-Karate lehren, die wichtigsten Bewegungen und Techniken. Der Schwierigkeitsgrad baut sich nacheinander auf, von der ersten Heian-Shodan bis zur schon recht schwierigen Heian-Godan. Nach und nach lernt der Schüler anhand der Kata neue Techniken,  Haltungen und Bewegungen kennen.

Geschaffen wurden die Heian-Kata von ITOSU im Jahr 1905, um die Einführung des Karate an den okinawanischen Schulen zu ermöglichen und den Einstieg in das Karate zu erleichtern. Die Heian-Kata hießen (und heißen noch im Shorin-ryu) Pinan und wurden erst von FUNAKOSHI in Japan in Heian umbenannt. Pinan bedeutet übersetzt "friedfertiger Geist". Schon in diesem Namen ist das Ziel erkennbar, dass ITOSU mit der Schaffung dieser Kata verband: Es sollte jetzt möglich sein, Karate als "Weg der Kunst" zu üben, anstatt als "Weg der Waffe". Das Kämpfen spielte in diesen Kata nicht mehr die entscheidende Rolle.


Funakoshi Gichin übt
Heian Nidan
Doch es gibt auch andere Thesen zur Entstehung dieser Kata. Laut einiger Berichte (z.B. von MOTOBU CHOKI, IWAI TSUKUO) gab es in den 30er Jahren eine Kata namens Channan. Die soll der Pinan sehr ähnlich sein. Auch KYODA JUHATSU soll eine Serie einfacher Block-, Schlag- und Tritttechniken unter dem Namen Channan unterrichtet haben.

Eine Version meint dass es auch möglich wäre, dass ITOSU die Pinan nicht gegründet haben könnte. Diese Theorie besagt, dass ITOSU eine chinesische Form von einem schiffbrüchigen Chinesen gelernt haben soll. Später zerlegte er diese in fünf Teile und nannte sie Pinan, da die chinesische Aussprache "Chiang-Nan" zu kompliziert war. Der Name Channan, könnte von dem Herkunftsort "Annan" oder dem Namen des Schiffbrüchigen herstammen2. Weitere meinen, dass ITOSU der gelernten Form nur noch einige Techniken der Kushanku hinzufügte3,4.

Auch eine Aussage der Okinawa Gojuryu Tomaridi Karatedo Association besagt, dass ITOSU die Channan an einem Tag gelernt hätte. Da man im Tomari-Te jedoch kein Interesse an sogen. "Über-Nacht-Kata", würde man die Pinan auch nicht im Tomari-Te lehren5

Es gibt Karateka (z.B. HIROSHI KINJO), die meinen, "Channan" sei nur ein alter Name für die Pinan6. Dieser erinnert sich weiterhin daran, dass ein Schüler ITOSUs, MIYAGI HISATERU berichtet hatte, dass ITOSU nur die ersten drei Pinan besonders gern unterrichtete7.


Funakoshi Gichin übt 
Heian Sandan

Der Name Heian setzt sich aus den Silben Hei (aus Heiwa) und an (aus Antei) zusammen, wodurch man sie mit "Frieden und Ruhe" übersetzen kann. Somit sind die Namen der Bedeutung nach ähnlich und verweisen auf das Ziel, mit der Übung dieser Kata dem Schüler Achtung und Demut anzuerziehen.

Die Heian unterscheiden sich kaum von den Pinan-Kata. Die originalen Pinan-Kata haben teilweise andere Techniken und Stellungen. So werden in der Pinan Nidan (entspricht Heian Shodan) die Shoto uke im Gedan (wie Kanku-dai) ausgeführt. Auch sind die Stellungen beim Angriff (Oi zuki) höher als im Shotokan-Ryu.

Jeder der Heian Kata hat eine bestimmte Bedeutung und steht für ein bestimmtes Übungsprinzip. In jeder Kata wird eine bestimmte Sache geübt.

So ist die Heian Shodan eine Kata, in der die Schüler erste grundlegende Elemente des Karate lernen. Es werden die ersten Techniken eingeführt (im Shotokan ryu: Gedan barai, Oi zuki, Age uke, Tettsui uchi, Shuto Uke). Diese Techniken werden im Zenkutsu dachi oder Kokutsu dachi ausgeführt. Ziel ist es, dem Schüler beizubringen, größere Distanzen mit einem Schritt zu überbrücken, da diese Kata den Kampf in größeren Abständen lehrt. Ein weiterer Effekt der Heian Shodan ist das Lehren von Drehungen um die eigene Achse. Diese fördern das Gleichgewichtsgefühl und sollen den Schüler beibringen, in alle Richtungen kämpfen zu können. Dazu ist auch wichtig, die Haltung besonders des Oberkörpers zu üben, denn nur so sind schnelle Drehungen um die eigene Körperachse ohne Gleichgewichtsverlust möglich. 

Die Heian Nidan ist im Shotokan-ryu die zweite Kata, ihr entspricht die Pinan Shodan im Shorin ryu. Hier wird das technische Repertoire des Schülers um einige neue Techniken erweitert. Zum einen werden erstmals Fußtritte verwendet. Das sind zum einen Mae geri und in der Shotokan-Heian Nidan zusätzlich noch Yoko geri keage. Diese Tritte werden teilweise mit Fausttechniken kombiniert. Neu ist weiterhin das Gyaku-Prinzip, auf das in dieser Kata besonderen Wert gelegt wird. Statt die Hüfte geradlinig wie in Heian Shodan einzusetzen, wird hier bei Techniken wie Gyaku zuki oder Gyaku uchi uke die Hüfte gegenseitig eingesetzt. Dadurch wird der Einsatz der Hüfte besonders gut geübt, um kräftige Techniken möglich zu machen. Diese Kata lehrt Techniken und Konzepte der mittleren Distanz.

    

Heian Shodan (links)
Heian Nidan (rechts)

Der Nahkampf ist Inhalt der dritten Kata, der Heian Sandan. Sie enthält viele Techniken der Nahdistanz und in ihr sind auch Techniken der Kakie (klebende Hände) versteckt, wie die Anfangsbewegung auf dem oberen Foto. Sie enthält auch einen neuen Stand, nämlich Kiba-Dachi. Hier werden verschiedene Bewegungsformen kombiniert: mit großen Schritten vor, Rückwärtsbewegungen und auch erstmals das Gleiten auf Füßen. Diese Kata bildet die Grundlage für die Tekki, Jion, Jitte und Ji'in.

Die Heian Yondan ist eine sehr dynamische Kata, die zusätzlich doppelte Abwehrformen sowie den Gebrauch von Fußtechniken lehrt. Sie wurde wahrscheinlich aus der Kanku entwickelt.

Die letzte und auch komplexeste Kata der Heian ist die Heian Godan. In ihr sind viele verschiedene Grundprinzipien des Karate vereinigt. Die Haltung Mizu nagare gamae (Haltung des fließenden Wassers) ist ein sehr wichtiges Karateprinzip. Charakteristisch sind auch wechselnde Abwehrtechniken auf den verschiedenen Stufen Jodan, Chudan, Gedan. Neu sind auch Nagashi-techniken, sowie die Haltung Manji gamae. Da sie sehr umfangreich und schwierig in der Ausführung ist, entspricht sie schon einem sehr umfangreichen Kampfstil. 

Heian Sandan (links) Heian Yondan (Mitte) Heian Godan (rechts)

 
 (c) by Thomas Heinze 2002
www.kusunoki.de

Quellen:

Werner Lind: "Das Lexikon der Kampfkünste", "Karate-Die klassische Kata" und andere
Joe Swift, Shotokan Research Society International, Journal of the SRSI, Edition 6 (www.angelfire.com/my/srsi/6ed/bmm6.html), 2000

2: Iwai T.: "Koden Ryukyu Karatejutsu", 1992, Tokyo: Airyudo
3: Gima 1986,
4: Kinjo 1999
5: Okinawa Prefecture Board of Education: "Karatedo Kobudo Kihon Chosa Hokokusho, Part II", 1995, Naha
6: Kinjo, H. "Pinan no Kenkyu Part 1", Gekkan Karatedo June 1956, Tokyo: Karate Jiho-sha
7: Kinjo, H. "Pinan no Kenkyu Part 2", Gekkan Karatedo August 1956, Tokyo: Karate Jiho-sha