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Shotokan - Kempo - Karate - Dojo "Kusunoki" e.V.
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Guestbook

Taikyoku - Kata

Geschichte

Die von FUNAKOSHI YOSHITAKA, dem Sohn von FUNAKOSHI GICHIN, begründeten Kata Taikyoku sind die ersten Kata, die ein Schüler des Shotokan-Karate in vielen Dojos heute noch lernt. Taikyoku bedeutet "großer Uranfang" (auch "Kata des Universums") und zeigt mit dem Namen schon deren Bedeutung im Shotokan-Stil an. Sie ist die erste Kata, die Karate-Schüler lernen.

FUNAKOSHI gründete zuerst drei Taikyoku-Kata, die Taikyoku Shodan, Nidan und Sandan. Der französische Karatepionier HENRY PLEE erweiterte das System später um drei weitere Kata, die Taikyoku Yondan, Godan und Rokkudan.

Heute ist es von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich, in wieweit die Taikyoku-Kata geübt werden. In EGAMIs Shotokai-ryu wird nur die erste Taikyoku-Shodan geübt.
Andere Schulen lehren gar keine Taikyoku-Kata (z.B. die meisten JKA-Dojos), einige die ersten drei und andere lehren alle sechs. Viele Lehrer wandeln die Taikyoku ab, indem sie die Kata mit anderen Techniken (z.B. Tritte) üben lassen. Diese Form der Übung ist jedem Lehrer zu empfehlen. Aufgrund des einfachen Diagramms kann man diese Kata schnell mit anderen Techniken (Fußtritten, Uchi-Techniken u.ä.) üben und somit das Kihon-Training ergänzen. Somit ist kann die Kata eher als Übungsform dienen, denn als Kata im klassischen Sinn. Sie dient der Einführung von Anfängern in die Grundschule und nicht als verstecktes, komplexes Kampfsystem.

Inhalt

Trotzdem ist der Sinngehalt tiefgehender, als auf den ersten Blick erscheinen mag. Dieser lässt sich teilweise aus dem Namen ersehen. Für diesen gibt es jedoch auch verschiedene Interpretationen. Zum einen beschreibt der Term "Taikyoku" den Makrokosmos vor seiner Teilung in Himmel und Erde (Yin und Yang) und symbolisiert die grundlegendste buddhistische Weltanschauung. Damit ist der Urzustand (siehe Übersetzung "großer Uranfang") der Welt, des Universums gemeint: "Davor war das Nichts (chin.: Wu). Aus diesem Nichts löste sich ein Teilchen, das sich hin und her bewegte. Dadurch entstand die Energie (Qi), diese erzeugte die Pole Yin und Yang, woraus Himmel und Erde, der Mensch und alle Wesen entstanden"
1. Hier wird also durch den Namen Taikyoku der Uranfang des Dao (jap. Do) beschrieben.

Somit ist im Namen dieser Kata auch das Prinzip "Dokan" (Der Weg ist ein Kreis) tief verankert. Geht man den Weg (z.B. des Karate), so gelangt man an dessen "Ende" wieder am "Anfang" an. Dieses Prinzip spiegelt sich in den Kata (nicht nur in der Taikyoku) wieder, indem Anfangs- und Endpunkt der Kata gleich sind. 

Auch wenn diese Kata einfach erscheint und Anfängern als erstes beigebracht wird, so ist die Taikyoku doch eine Art "ultimative" Kata (siehe Übersetzung "Kata des Universums"). FUNAKOSHI schreibt dazu in seinem Buch "Karate-Do Kyohan": "... diese Form ist von tiefstem Charakter und eine, zu der der Experte nach der Meisterschaft des Karate zurückkehren wird, um sie als die ultimative Kata auszuwählen."2

 

Hier die alten Taikyoku-Kata, wie sie FUNAKOSHI Sensei in seinem Buch "Karate-Do Kyohan" beschreibt3.

Taikyoku-Shodan

Diese ist die erste der Taikyoku-Kata und besteht nur aus Oi-Zuki und Gedan-Barai. Da sie den meisten Karateka bekannt ist, brauchen hier keine weiteren Ausführungen zu dieser Kata gemacht werden.

Taikyoku-Nidan

Die T.-Nidan unterscheidet sich von der Shodan nur dadurch, dass alle Oi-Zukis nicht auf Chudan-Höhe, sondern auf Jodan-Höhe ausgeführt werden.

Taikyoku-Sandan

Auch diese Kata ist der T.-Shodan sehr ähnlich. Statt der Gedan-Barai werden hier jedoch Uchi-Uke im Kokutsu-Dachi ausgeführt. Weiterhin werden die drei aufeinanderfolgenden Oi-Zukis auf Jodan-Höhe ausgeführt. Ansonsten sind Embusen und die Bewegungen identisch.
 
Taikyoku-Nidan/Sandan (BSK-System Shotokan Kempo Karate)

Die im BSK geübten Kata T.-Nidan und T.-Sandan verstehen sich nicht als Kata im herkömmlichen Sinn, sondern, wie oben abgedeutet als aus der T.-Shodan entwickelte bzw. abgeleitete Übungsform. 
Diese Übungsformen sind vom Anspruch und von technischen Repertoire umfangreicher als die T.-Shodan. 
Die T.-Nidan soll eine Einführung in die Formen des Kihon-Ippon Kumite ermöglichen und enthält u.a. mehrere Gyaku zuki.
Die T.-Sandan dient der Übung der Jiyu waza. Jede Kombination wird nach Beendigung zurückgezogen in eine Ausgangsstellung. Aus dieser Kata sind Formen des Jiyu-Ippon Kumite abgeleitet.

 

1: siehe auch Lind, Gabi, "Qigong für alle Kampfkünste", Sportverlag, Berlin 1998, S. 11
2: Funakoshi Gichin, "Karate-Do Kyohan", Kodansha International, Tokio 1973, S. 42
3: Funakoshi Gichin, "Karate-Do Kyohan", Kodansha International, Tokio 1973, S. 42 - 48