HIGASHIONNA KANRYO (1853 - 1915/16)




Higashionna Kanryo
 
 
HIGASHIONNA KANRYO, auch Higaonna oder Higanuma, ist einer der bekanntesten Meister der Kampfkünste und beeinflusste die Entwicklung in vielerlei Hinsicht. Higashionna, auch genannt "der Heilige des Faustschlages" (Kensei) war einer der ersten Großmeister des Naha-te. 
Er wurde am 10.März 1853 als viertes Kind von Higashionna Kanyo in Naha (West-Dorf Nishimura) geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. 

Schon als Kind lernte er die Kampfkünste kennen, indem er begann, das Shuri-te zu erlernen. Zuerst beobachtete er die Übungen seines Vaters, der sich entschloss, ihn die Kampfkünste lernen zu lassen.

Mit 14 Jahren (er wurde "Moshi" als Kind genannt) wurde er Meister ARAGAKI TSUJI PEICHIN SEISHO (NIIGAKI), einem ehemaligen Schüler von IWAH, vorgestellt und begann bei ihm zu lernen (1867). Bei ihm lernte HIGASHIONNA auch die Luohanquan (Archat Boxen, auch Mönchsfaustboxen). 

Higashionna (Mitte sitzend) im Kreis seiner Familie

Bald war er in ganz Naha für seine Fähigkeiten bekannt. Aufgrund seiner Herkunft und um ihn von einem Verwandten zu unterscheiden nannte man ihn auch Higashionna West. 
Später lernte er bei KOJO DAITEI, dem er von Aragaki vor dessen Abreise nach Beijing im September 1870 vorgestellt wurde. Weiterhin lernte er auch YOSHIMURA UDUN CHOMEI, einen Lehrer im bekannten Kojo-Dojo, kennen und lernte auch bei ihm.

Dadurch wurde es ihm möglich, nach China zu reisen, um sein Wissen über die Kampfkünste zu erweitern. Bei wem er dort genau übte, ist widersprüchlich überliefert. Er soll unter anderem im Kojo-dojo trainiert haben, als er mehrfach als Hilfsangestellter von YOSHIMURA nach China reiste. 

Andere behaupten, er hätte unter WAI XINXIAN (WAICHINZAN) trainiert, der zwar ein eigenes Dojo hatte, jedoch auch Beziehungen zum Kojo-Dojo hatte. Bei ihm soll HIGASHIONNA das Xingyiquan gelernt haben.
Jedoch ist sicher, dass HIGASHIONNA im November 1874 nach Fuzhou (Fujian / China) reiste und dort ein Jahr in der okinwanischen Siedlung Ryukyu kan lebte und im Kojo-dojo bei IWAH und WAI XINXIAN lernte. Später wurde er dem Quanfa-Meister RYU RYUKO vorgestellt, der ihn nach langer Bewährungszeit als Schüler annahm und ihn im Hequan (Kranichstil) unterwies.Aus diesem Stil ist später das Hakutsuru ken entstanden. Jedenfalls unterstützte HIGASHIONNA am Tag seinen Lehrer in dessen Geschäft und lernte abends bei ihm. Trotzdem bekam er nie die offizielle Lehrerlaubnis von RYU RYUKO, weil er kein Chinese war.
Ganze 16 Jahre blieb er persönlicher Schüler von Meister RYU RYUKO, bis er wieder nach Okinawa zurückkehrte. Dort arbeitete er zunächst im Feuerholzgeschäft seiner Eltern, verfiel aber zunehmend in Depressionen aufgrund seiner Perspektivlosigkeit. 

links: Übersicht Higashionna Kanryo (Copyright BSK)

Als die japanische Armee Interesse am Karate zeigte, eröffnete HIGASHIONNA ein Dojo in Tondo Naha shi. Dort unterrichtete er seine perönliche Auffassung der gelernten chinesischen und
okinawanischen Kampfkünste. Seinen Stil nannte er Shorei ryu, der hauptsächlich die Bewegungen der Sanchin Kata und die des Kranichstils (Hakutsuru) betonte. So änderte er zum Beispiel
die Kata Sanchin, indem er sie öffentlich mit der geschlossenen Faust lehrte.
Er lehrte in den Folgejahren in verschiedenen Dojo der Polizei, u.a. auch zusammen mit seinem Freund ITOSU YASUTSUNE.

HIGASHIONNA starb am 23. Dezember 1915 oder im Oktober 1916.


Treffen einiger Karate-Meister 1913.
(2. von rechts Higashionna Kanryo , Mitte stehend Miyagi Chojun,
4. von rechts Kyoda Kohatsu.)

Schüler HIGASHIONNAs waren u.a.: YOSHIMURA CHOGI, KYODA KOHATSU, MIYAGI CHOJUN, GUSUKUMA TSUNETAKA, SHIROMA TSUNETAKA, NAKAMOTO SEIBUN, TABARA TAIZO, SAKIMA REI, IKEMIYAGUSUKU YOSHITERU, JICHIYAKU TOMONORI, URA SOKI, MOTODA und MABUNI KENWA.
Offizieller Nachfolger wurde sein Schüler KYODA KOHATSU, der ihm sehr nahe stand. Ihm vererbte er die Geheimlehren und auch ein Exemplar des Bubishi.


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 letzte Änderung : 29. Dezember 2002