ITOSU YASUTSUNE (1830-1916)




Der Lehrer FUNAKOSHI's, Itosu Yasutsune (auch Anko), wurde 1830 in Shuri no Tobaru im Hause eines Samurais geboren. Schon früh wurde Itosu nach den Regeln der Samurai erzogen, bis sein Vater ihn 1846 zum Karate-Lehrer MATSUMURA SOKON (genannt Bushi) brachte, um ihm dort Karate lernen zu lassen.

Itosu trainierte 8 Jahre lang unter der strengen Anleitung Matsumuras.  Weiterhin lernte Itosu bei GUSUKUMA SHIMPAN und bei YASURI. Er war auch ein guter Freund AZATOs und war oft beim Training von Funakoshi bei Azato dabei.  Aufgrund seines harten und ausdauernden Trainings entwickelte sich Itosu zu einem unbesiegbaren Karateka, wie Funakoshi auch in seinem Buch "Karate-Do Kyohan" ausführlich beschreibt. Er war einer der größten okinawanischen Karate-Meister aller Zeiten.
Ihm wird eine enorme Kraft nachgesagt. Man sagt auch, dass er seine Schlagkraft trainierte, indem er gegen Steine schlug, die sich entlang seines täglichen Weges befanden.

Itosu verlor 1879 seine Arbeit als Privatsekretär beim König, die ihm sein Freund Azato besorgt hatte. Dadurch verschlechterte sich seine wirtschaftliche Situation und er begann öffentlich Karate zu lehren. Das war vielen okinawanischen Karate-Meistern ein Dorn im Auge und er wurde oft des Verrats bezichtigt.

Itosu hatte eine sehr große Bedeutung für die Entwicklung des Karate.Er überlieferte viele alte Kata, änderte einige (z.B. die Tekki-Kata) und gründete viele neue Kata (z.B. Tekki-nidan, Tekki-sandan, Bassai-sho, Kanku-sho und die Heian-Kata).
1905 wurde Itosu Lehrer und schrieb 1908 einen Brief  an das Erziehungsministerium (siehe unten), in dem er empfahl, Karate als Bestandteil des Unterrichtes an den Schulen Okinawas einzuführen. Das trug entscheidend zur Verbreitung des Karate bei. Der Ergebnis war, dass Itosu gezwungen war, das Karate zu überarbeiten, um ein entschäftes Konzept zu entwickelt, was gelehrt werden konnte.

Schüler Itosus : YABU KENTSU, YABIKU MODEN, MABUNI KENWA, GUSUKUMA SHIROMA, CHIBANA CHOSHIN, TOKUDA AMBUN, OSHIRO CHOKI, MOTOBU CHOKI, SHIMPAN MASASHIGA, YAMAGAWA CHOTO und FUNAKOSHI GICHIN.

 

Itosus Brief ans Erziehungsministerium :

Karate stammt nicht vom Buddhismus oder Konfuzianismus ab. In den alten Tagen wurden zwei Stile des Karate, der Shorin- und Shorei Stil, von China eingeführt. Beide unterstützen gesunde Prinzipien, und es ist wichtig, daß sie bewahrt und nicht geändert werden. Daher werde ich hier
erwähnen, was man über Karate wissen muß.
Karate strebt nicht nur danach, den Körper zu disziplinieren, sondern dient der Erhaltung der Gesundheit. Wenn es notwendig ist, für eine gerechte Sache zu kämpfen, sorgt Karate für die Tapferkeit und für die Stärke, durch die man sein eigenes Leben für diese Sache aufs Spiel setzen kann.
Es ist nicht dazu gedacht, im Wettbewerb eingesetzt zu werden, sondern viel eher als ein Mittel, seine Hände und Füße in einer ernsthaften Begegnung mit einem Raufbold oder Schurken zu gebrauchen.
Der Zweck des Karatetrainings ist es, die Muskeln zu stärken und den Körper stark wie Eisen und Stein zu machen, so daß man die Hände und Füße wie Speere einsetzen kann. Auch kultiviert das Karate Training Tapferkeit und Wertgefühl in den Kindern und bereitet sie auf diese Weise gut für den Militärdienst vor. Vergeßt nicht, was der Duke von Wellington nach seinem Sieg über Kaiser Napoleon sagte: „Der heutige Sieg wurde in erster Linie durch die Disziplin erzielt, die auf den Spielplätzen unserer Grundschulen erreicht wurde."
Karate kann in einem kurzen Zeitraum nicht ausreichend gelernt werden. Auch ein träger Bulle, egal wie langsam er sich bewegt, wird schließlich 1000 Meilen zurücklegen. Dies gilt auch für einen, der sich entschließt, jeden Tag 2 oder 3 Stunden fleißig zu studieren. Nach 3 oder 4 Jahren der nicht nachlassenden Bemühung wird sein Körper eine große Umwandlung zeigen und ihm die wahre Essenz des Karate enthüllen.
Eines der wichtigsten Ziele des Karate ist das Training der Hände und Füße. Daher muß man immer das Makiwara gebrauchen, um sie vollständig zu entwickeln. Um dies effektiv zu tun, senkt man die Hüften, öffnet die Lungen, konzentriert die Energie, greift gut den Boden, um die Stellung zu verwurzeln, und senkt das Qi - allgemein als Lebensenergie oder als innere Kraft bezeichnet - in den „Tanden" (gerade unterhalb des Nabels). Entsprechend dieser Prozedur, führt man mit jeder Hand jeden Tag ein- oder zweihundert Fauststöße aus.
Man muß in den Trainingshaltungen des Karate immer eine aufrechte Position bewahren. Der Rücken muß gerade sein, die Lenden zeigen nach oben, die Schultern nach unten, während man eine geschmeidige Kraft in den Beinen behält. Man entspannt sich und bringt den oberen und unteren Teil des Körpers zusammen, wobei die Qi Kraft im Tanden konzentriert wird.
Karate wurde durch mündliche Überlieferungen weitergegeben und enthält Techniken mit dazu passenden Bedeutungen. Man muß sich dazu entschließen, den Zusammenhang dieser Techniken zu erforschen und dabei die Prinzipien des Torite (befreiende Hände) beachten, dann kann man die praktischen Anwendungen leichter verstehen. 
Im Karate Training muß man unterscheiden, ob die Techniken für die Selbstverteidigung oder für die Kultivierung des Geistes gedacht sind. Realität ist ein wichtiges Ziel im Karate Training. Sich vorzustellen, daß man wirklich während des Trainings auf dem Schlachtfeld ist, trägt viel zur Steigerung des Fortschritts bei. Daher sollten die Augen Entschlossenheit zeigen, während gleichzeitig die Schultern gesenkt werden und der
Körper entspannt ist, wenn man abwehrt oder einen Schlag ausführt. Ein Training in diesem Geist ist die Vorbereitung für den echten Kampf. Überanstrenge dich nicht im Training, bis das Gesicht und die Augen rot werden, da du ansonsten deine Energie verlierst. Das Maß an Training muß im Verhältnis zur körperlichen Stärke und Kondition stehen. Exzessive Übung ist schädlich und schwächt den Körper. Karate Übende genießen durch die Vorzüge des gesundheitsfördernden Trainings ein langes und gesundes Leben. Die Übung stärkt Muskeln und Knochen, verbessert die Verdauungsorgane und reguliert die Blutzirkulation. Wenn das Studium des Karate daher in den Lehrplan unserer Grundschule aufgenommen und ausreichend geübt würde, könnten wir gesunde Männer mit unmessbaren Verteidigungsfähigkeiten erziehen.
Es ist meine Überzeugung, daß die Absolventen des Shihan Chugakko (Lehrerkollegium) den Kindern an den Grundschulen auf diese Weise Karate vermitteln können. Innerhalb von 10 Jahren wird Karate in ganz Okinawa und auf dem japanischen Festland verbreitet sein und auch unserer militärischen Gesellschaft dienen. Ich hoffe ihr werdet mein Schreiben aufmerksam lesen und über meine Worte nachdenken.

Itosu Anko, Oktober 1908
 


Das Buch "Die Meister des Karate und Kobudo" zu diesen Biographien gibt's hier



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 letzte Änderung : 2. Januar 2003