KYAN CHOTOKU (1870-1945) - auch Kiyatake oder Kiyabu


KYAN CHOTOKU

Kyan's Leben

KYAN CHOTOKU wurde in Shuri (Okinawa) im Dezember 1870 als dritter Sohn von KYAN CHOFU, einem Verwandten des Königs der Ryuyu Shosei, genauer gesagt als 11. Abkömmling dieses, geboren. Sein Vater Chofu war Bediensteter bei der Familie von SHOTEI, dem letzten der Ryukyu-Könige und ein sehr gelehrter Mann - er war in den chinesischen Klassikern bewandert. Aber er war auch ein Meister des Karate. Bei Shotei stand er in hoher Gunst - die Familie vertraute ihm die Ausübung seiner Geschäfte an. 

Er war ein recht schwaches Kind und sein Vater bat deshalb die Karate-Meister MATSUMURA SOKON (vermutlich hat er nicht direkt bei Matsumura, sondern bei dessen älteren Schülern gelernt), ITOSU ANKO (Schüler von Kyan und CHIBANA CHOSHIN bestreiten, dass Kyan bei Itosu gelernt hätte), OYADOMARI PEICHIN, MAEDA PEICHIN und MATSUMORA KOSAKU, seinen Sohn in den Kampfkünsten zu unterrichten, obwohl Chofu selbst ein Kampfkunstexperte war. Er war der Meinung, er sei nicht streng genug, um seinen Sohn richtig zu unterrichten. Zu dieser Zeit war Chotoku etwa 20 Jahre alt.
Trotzdem beeinflusste er Chotoku schon früh und ging mit ihm regelmäßig im freien trainieren. Dabei wurde Sumo, Karate und Ringen geübt. Einige Quellen behaupten, er hätte auch bei seinem Großvater, KYAN OYAKATA, gelernt, welcher sein erster Lehrer gewesen sein soll.

So begann Kyan Chotoku im Alter von acht Jahren mit dem Studium der Kampfkünste. Er war damals bekannt unter den Namen Migwa Chan (schmal-äugiger Kyan), weil seine Augen und sein Körper sehr schmal waren.
Eine andere Erklärung für diesen Namen ist die folgende von IKEDA HOSHU: Kyan ließ damals immer ohne Oberbekleidung üben, um so die Muskeln seiner Schüler während deren Bewegungen besser studieren zu können. Dabei waren seine Augen immer fest auf die Muskeln gerichtet um genau zu beobachten. Daher soll der Name rühren.
   
Im Alter von 12 Jahren reiste er zusammen mit seinem Vater nach Tokyo, wo er vier Jahre blieb, um die chinesischen Klassiker und die japanischen Kampfkünste zu studieren. Dieses Studium dauerte bis zu seinem 16. Lebensjahr an, als Kyans Familie zurück nach Okinawa musste – sein Vater hatte seine Stellung im Dienste des Königs verloren.

Aufgrund der Umwälzungen im Zuge der Meiji-Restauration verloren Bedienstete des Königshauses auf Okinawa viele ihrer Privilegien. So auch die Familie von Kyan. Sie wurde dadurch gezwungen, in das Dorf Yomitan zu ziehen, wo sie ein kleines Stück Land besaß. Trotzdem lebten sie in Armut und Kyan Chotoku war gezwungen, niedere Arbeiten, wie das Ziehen von Rickschahs und das Züchten von Seidenraupen, anzunehmen. Trotzdem versäumte Kyan nicht, sein Karatetraining fortzusetzen.
   


Kyan beim Unterrichten

Dann lernte er KUNIYOSHI NO TANME kennen, ein Schüler von YOMITAN YARA. Von Kuniyoshi als auch von Yara lernte Kyan die Original-Kushanku (heute Chatanyara no Kushanku). Sie wurde über SHIMABUKURO an ISHIKAWA SEITOKU weitergegeben.

Durch die vielen verschiedenen Lehrer lernte er viele Kata und hatte so Einblick in die verschiedenen Stile der Ryukyu. Von Matsumura und Itosu lernte er Naihanchi, Seisan und Gojushiho (Shuri-te), von Matsumora lernte er die Chinto, von Oyadomari die Passai (Tomari-te). Bei Maeda Peichin lernte er die Wanshu. Auch das "Baum-Kämpfen", das mit dem okinawanischen Tanz Saru mai verbunden ist, wurde ihm gelehrt.

Er reise auch nach Taiwan (Formosa), wo er die Kata Ananku mitbrachte. Es ist zwar nicht ganz geklärt, wie er an diese Kata gelangte, es wird jedoch angenommen, dass er sie aufgrund seiner auf Taiwan gesammelten Erfahrungen gegründet hat.
Die Kata Tokumeni no Kon (Bo-Kata) brachte er von einer abgelegenen Insel (Yaeyama) mit. Diese lernte Kyan bei TOKUMINE PEICHIN. Einige Quellen behaupten, Tokumine hätte nicht mehr gelebt, als Kyan in aufsuchen wollte und so lernte Kyan bei einem Kneipenbesitzer, der selber bei Tokumine gelernt hatte.
Kyan war ein Spezialist im Umgang mit dem Bo. 

1924 soll Kyan zusammen mit SOKEN HOHAN auch kurzzeitig in Negro, einer okinawanischen Handelskolonie in Argentinien gewesen sein.

Kyan soll sehr hingebungsvoll und diszipliniert geübt haben. Sein starker Geist half ihm, seine körperlichen Nachteile zu kompensieren und so erreichte er schon in jungen Jahren eine hohe Meisterschaft. Im Alter von 30 Jahren war er in Shuri und Naha als Kampfkunstexperte sehr angesehen, was recht ungewöhnlich war, da man in seinem Alter normalerweise noch nicht als Meister angesehen wurde. Er wurde sehr oft herausgefordert, und da er kein Mensch war, der sich drückte, musste er oft kämpfen. Soweit bekannt hat er niemals verloren. So tötete er 1924 den Karate-Meister TAIRAGUWA (auch AGENA SHUKUHO, ein Schüler Matsumuras), indem er ihm von einem Baum in den Rücken sprang. Offiziell wurde diese Geschichte noch nicht nachgewiesen.

Ein weiterer Kampf, der berühmt wurde, fand 1930 in Taiwan statt, als Kyan aufgrund einer Karatevorführung von dem Judoka ISHIDA SHINZO, dem Judolehrer des Taipei Polizeihauptquartiers zu einem Kampf herausgefordert wurde. Obwohl Kyan zu dieser Zeit bereits 60 Jahre alt war, nahm er die Herausforderung an. Kyan gewann auch diesen Kampf ohne Probleme.

In Kyan Chotoku vereinigten sich zwei Uchi-deshi Linien. Zum einen die Linie Kushanku – Yara – Kyan sowie die Linie Shionja – Oyadomari – Kyan.
Aufgrund seiner Erfahrungen begann er schon früh, eigene Konzepte zu entwickeln. Die beiden Stile, die er gelernt hatte verband Kyan Chotoku zu seinem Stil, der zunächst Migwa-te genannt wird. Später wurde er von Kyan's Schülern in Sukunai Hayashi-ryu umbenannt ist jedoch mehr unter dem Namen Shobayashi ryu bekannt. Kyan selber gab seinem Karate niemals einen Namen. Er verwendete einfach nur den Namen Shaolin, dessen Schriftzeichen auf Okinawa bzw. Japan als Sukunai Hayashi, Matsubayashi, Shobayashi oder einfach als Shorin gelesen werden kann.

Am 25. Oktober 1936 nahm Kyan an dem berühmten Treffen der okinawanischen Karatemeister teil, bei dem u.a. beschlossen wurde, die alten Zeichen für Karate (im Sinne von „China-Hand“) in neue Zeichen (im Sinne von „Leere Hand“) abzuändern.

Kyan war ein Freund des Hahnenkampfes und ging oft zu kämpfen. Einmal nahm er seine Schüler SHIMABUKURO TARO und ARAGAKI ANKICHI mit. Diese wollten die Fähigkeiten ihres Lehrers testen und provozierten einen Streit mit einer Gang junger Männer. Anschließend liefen sie davon und überließen das Kämpfen ihrem Lehrer, der seinen Hahn unter dem Arm hatte. Sie waren überrascht, wie gut er mit nur einem Arm und den Beinen kämpfen konnte.

Obwohl Kyan auch seine Schwächen hatte (so betrog er seine Frau regelmäßig um das Geld vom Verkauf von Schweinen, das er für Frauen oder Reisen ausgab), war er einer der größten Karatemeister der damaligen Zeit. Seine Schüler bewunderten seine persönlichen Qualitäten und hatten tiefsten Respekt vor ihm.

Nachdem er während des Krieges seine gesamten Lebensmittel an Bedürftige verteilt hatte, starb Kyan Chotoku am 20. September 1945 im Alter von 76 Jahren in einer Ortschaft im Norden Okinawas am Hungertod.


Kyan mit einigen seiner Schüler 1941 (links Nakazato Joen)

  
Kyan's Überlieferungen


Er war ein Meister der Sprung- und Fußtechniken und für seinen unerschütterlichen Stand bekannt. So übte er das Springen und Treten mit hölzernen oder steinernen Geta (traditionelle okinawanische Schuhe). Diesen bewies er immer wieder, wenn er die Kata Seisan (Hangetsu) vorführte.

Ein seiner Spezialitäten war das Kämpfen gegen größere Gegner, wobei er unter anderem das Abducken vor gegnerischen Angriffen lehrte. Mit dieser Art zu kämpfen hat er sich sehr intensiv beschäftigt. Sein System zog die Schnelligkeit kraftvollen Techniken vor. Der Grund dieser Tatsache war die geringe Körpergröße Kyans. Das Ausweichen und unvorhergesehene Handlungen bestimmen sein System. 
  

 
Kyan Chotoku übte gern mit einem Hindernis im Rücken, das ein zurückweichen verhinderte. Seine Strategie hatte zum Ziel, abzuwehren und sofort einen Gegenangriff auszuführen.
Sein Stil, das Shobayashi ryu, sollte das Shorin ryu in den folgenden Jahren entscheidend mit beeinflussen.  

Kyan übte ein zwei verschiedenen Makiwara. Eins, das flexibel ist, für Fauststöße und ein stabiles für Fußtritte. Er muss sich sehr intensiv mit dem Makiwara-Training auseinander gesetzt haben, da gesagt wird, er hätte über 50 Arten des Treffens am Makiwara entwickelt.

Kyan's Lieblingskatas waren Passai, Chinto und Kushanku. Seine Kata haben oft eine eigene Note. In seinen Erinnerungen über Kyan schreibt TAMAE HIROYASU, dass andere Meister des Shuri te Kyan’s Kata als „Inaka-de“ oder auch „primitiv“ bezeichneten. 

Seine Schüler ließ er gern im Dunkeln üben, um ihnen das Kämpfen im Dunkeln zu lehren. Seine Schüler Shimabukuro Taro und Aragaki Ankichi nutzten Laternen, um ihren Weg zu Kyans Haus zu erleuchten, doch er verbot ihnen, diese zu benutzen, um so ihre Nachsehfähigkeit zu verbessern.
Auch das Üben auf unebenem Boden war nicht ungewöhnlich. Manchmal machte Kyan auch den Boden nass, um den Boden glatt zu machen. 

Doch Kyan unterrichtete auch in einer besonderen Art: Er nahm einige seiner Schüler (Aragaki Ankichi und Shimabukuro Taro) mit zum Trinken oder ins Brothel. Der Grund lag darin, dass seiner Meinung nach eine vielseitige Erfahrung Grundlage für eine Entwicklung in den Kampfkünsten ist. Er wollte seinen Schülern lehren, immer die Idee von „Busai“ (der wahre Kampfkunstweg) im Kopf zu haben und immer aufmerksam zu sein, egal was man tut (auch trinken, eine Brothel besuchen und sogar eine Rickschah ziehen).

Die meisten seiner Schüler unterrichtete Kyan an der Okinawanischen Schule für Landwirtschaft sowie an der Polizeistation von Kadena. Er hatte jedoch auch viele private Schüler. 
Schüler Kyan's waren u.a. RICHARD KIM, Aragaki Ankichi, SHIMABUKURO TATSUO, Shimabukuro Taro, SHIMABUKURO ZENRYO, CHITOSE TSUYOSHI, GIMA MAKOTO, MATAYOSHI SHINPO, NAGAMINE SHOSHIN, NAKAZATO JOEN, Chibana Choshin. 
Ausgehend von seinem Stil werden von seinen Schülern später folgende Stile entwickelt: Matsubayashi-ryu (Nagamine), Shorin ryu Shaolin (Shimabukuro Eizo), Isshin-ryu (Shimabukuro Tatsuo), Chito-ryu (CHITOSE TSUYOSHI), Chubu Shorin-ryu (SHIMABUKURO ZENRYO), Shobayashi ryu (Shimabukuro Taro) und Shorinji-ryu (Nakazato Joen).
Seine Lieblingsschüler waren Aragaki Ankichi und Shimabukuro Taro. 



KYAN CHOTOKU :
Die Meisterschaft des Karate hängt nicht von der körperlichen Konstitution, sondern von beständiger Übung ab.
 

ANLEITUNGEN ZUM TRAINING (KYAN CHOTOKU, 1933)
1. Man sollte beim Unterricht folgende Reihenfolge beachten: zuerst erklären, was Karate ist und welches die richtige Haltung im Trai-ning ist. Danach die Formen und Fußbewegungen lernen. Dann lernt man die Art und Weise, die Faust zu gebrauchen und den Ellenbogen einzusetzen, dann wie man einen Fußtritt ausführt. Danach lernt man die Wurf- und Immobilisationstechniken und die dazugehörenden Abwehrformen. Schließlich lernt man die Kata und die Vitalpunkttechniken. Erst wenn man eine Kata gut kann, soll man mit dem Studium des Kampfes beginnen.
2. Den Kampf sollen Fortgeschrittene nur in traditioneller Weise, d.h. ohne Schutz üben. Bei Anfängern kann das Kämpfen zu Unfällen führen, und deshalb dürfen sie anfangs einen Körperschutz tragen.
3. Für das Training braucht man, abgesehen vom Makiwara und den bereits erwähnten Schützern, weder irgendein anderes Gerät noch einen Partner, noch viel Platz.
Im Laufe des täglichen Trainings ist es nötig, den Körper zu stärken, sich in Faust- und Fußtechniken zu üben, zu lernen, wie man die Extremitäten mobilisiert und sich mit Leichtigkeit bewegt. Dadurch lernt man die wichtigsten Prinzipien des Karate. Wenn man sich lange Zeit in dieser Weise übt, kann man schließlich die subtilen Prinzipien der Kata Anwendung verstehen und in jeder Situation passend handeln. Wenn man aber nur die Techniken des Körpers übt und diejenigen des Geistes vernachlässigt, wird die Kunst unbrauchbar. Man muss den Weg (Do) klar sehen und Bescheidenheit entwickeln, die Ruhe des Geistes, Promptheit und Tapferkeit lernen- nur so können die Techniken des Körpers angewendet werden. Dazu gibt es folgende Regeln:
1. Die Kampfkunst ist dazu gedacht, Gewalt zu beseitigen, Ärger zu vermeiden und sich im Notfall zu schützen. Deshalb müssen sich alle Kampfkunstübenden eine Haltung der Bescheidenheit und Zurückhaltung angewöhnen und sich mit einem Geist der Loyalität und Hingabe gegenüber ihrer Kunst und ihrer Gemeinschaft erziehen.
2. In der Kampfkunst ist es essentiell, im richtigen Moment zu handeln und seinen ganzen Geist, seine Kraft und seinen Körper in die Handlung zu legen. Derjenige, dessen Kraft zu offensichtlich und arrogant bleibt, ist untragbar für die Gesellschaft und wird von seinen Mitmenschen abgelehnt. Er wird irgendwann zu seinem eigenen Unglück. Darüber sollte jeder nachdenken. Es gibt ein Sprichwort: Die Faust soll an der Hüfte bleiben wie in einem Tresor. Man muss vermeiden, sie ohne wirklichen Grund zu gebrauchen.
3. Die Ziele des Karate do sind: Körpererziehung, Kampfkunst und Geisttraining.
4. Man muss die unbewegliche Haltung bewahren (Fudo) und das Ki im Bauch sammeln. Doch man muss vermeiden, dass man starr und rigide wird.
5. Wenn man sich in einer Kata übt, ist es notwendig, sie mit dem ganzen Willen auszufüllen, und dasselbe Gefühl zu entwickeln, wie wenn man einem Gegner gegenüberstehen würde.
6. Schnelligkeit ist in allen Bewegungen essentiell. Bei allen Fußbewegungen muss man Kraft in die Zehen legen und den Fußboden greifen.
7. Wenn man sich in der Kata übt, muss man ihren Sinn verstehen. Man darf sich nicht von der Technik als solche täuschen lassen und muss zwischen Jodan (oben), Chudan (Mitte) und Gedan (unten) gut unterscheiden. Training ohne Verständnis des Kata Sinns ist umsonst.
8. Man muss am Makiwara trainieren und die Kraft des Schlages stärken. Unabhängig von der Schnelligkeit wird der Fauststoß wirkungslos, wenn er keine Kraft im Treffen hat. Unabhängig von der Kraft im Treffen wird der Fauststoßes aber auch wirkungslos, wenn es an Agilität und Schnelligkeit in der Bewegung fehlt. Es darf daher weder die Kraft des Fauststoßes noch die Schnelligkeit der Bewegung fehlen; sie sind wie die beiden Räder eines Wagens.
9. Man muss sich bemühen, den Geist, den Körper und die Augen in Einklang zu bringen.

ANLEITUNGEN FÜR DEN KAMPF (KYAN CHOTOKU, 1933)
1. Bevor man agiert, muss man zuerst die Kapazität des Gegners abschätzen. Wenn er stark ist, verlässt er sich ganz unvermeidlich auf seine Kraft und will angreifen. Also beschränke man sich darauf, abzuwehren, und startet den Angriff in dem Augenblick, in dem er eine Lücke zeigt. Dies ist die Strategie, durch die man die Kraft des Gegners für sich verwenden kann.
2. Wenn der Gegner nicht sehr stark ist, wird er in der Defensive sein, seine Körper- und Fuß Bewegungen vervielfältigen und oft zurückweichen. In diesem Fall darf man nur einen sicheren Fauststoß ausführen. Man braucht Fauststöße und Fußtritte, um vorzugehen und zurückzuweichen und dann plötzlich anzugreifen. Wenn man die Initiative im Angriff übernimmt, muss man auf unerwartete Gegenangriffe achten.
3. Man darf nicht angreifen, weil man seine Kraft und Schnelligkeit überschätzt. Wenn jemand noch schneller ist, kann er einen Gegenangriff ausführen, indem er die Bewegung des Angriffs vorausahnt.
4. Es ist notwendig, dass man vor dem Gegner die Technik verbirgt, die man anwenden wird, indem man seinen Willen verbirgt. Wie auch immer die Kapazität des Gegners ist, er kann nicht mehr als drei Schritte vor- oder zurückgehen.
5. Im Moment des Kampfes muss man seine Aufmerksamkeit auf die zentrale Linie von den Augen bis zu den Beinen legen. Man muss immer aufpassen, dass man keinen Fauststoß zwischen die Augen und keinen Fußtritt in die Hoden bekommt und dass man sich nicht fassen lässt. Im allgemeinen gilt, dass man nicht zuviel Kraft in die Abwehr legt. Wenn man zuviel Kraft in den Abwehrtechniken verwendet, wird die Technik langsam, und man riskiert, den geeigneten Moment zu verpassen.
6. Wenn man den Arm des Gegners fasst, muss man das entscheidend tun, aber gleichzeitig weich bleiben. Der Geist muss entschlossen sein, um adäquat auf die Aktion des Gegners zu reagieren.
7. Der Angriff muss immer schnell und entschlossen sein. Wenn er abgewehrt wird und sein angestrebtes Ziel nicht erreicht, kann er immer noch seinen Weg fortsetzen und einen anderen Punkt treffen. Selbst wenn der Angriff keinen starken Impakt hat, wird der Gegner dadurch gestört. In diesem Fall muss man, ohne zu zögern, mit anderen Angriffen folgen.
8. Es ist nicht unbedingt notwendig, die Fußtritte des Gegners mit der Hand abzuwehren. Man kann sie mit dem Bein abwehren und gleichzeitig einen Fauststoß starten. Selbst wenn der Gegner fällt, sollte man ihn nicht zu leicht treffen, denn er springt manchmal mit einem unerwarteten Angriff wieder auf.
9. Wenn der Gegner das Bein ergreift, ist dies nicht gefährlich, wenn man den Fuß sehr fest aufsetzt. Doch man muss aufpassen, wenn der Boden schlecht ist.
10. Wenn man dem Gegner gegenübersteht, dann muss man aufpassen, dass man nicht auf seine Strategie hereinfällt. Manche machen eine Fußtechnik, wobei sie vorher in die Hände klatschen oder die Hand fassen wollen, andere machen eine Fausttechnik und täuschen mit einer Fußtechnik. Reagiere auf Stimmen und auf Geräusche entsprechend dem, was sie sind. Man darf niemals nachlässig werden.
11. Wenn man es mit mehreren Gegnern zu tun hat, darf man niemals in den Nahkampf gehen, sondern man muss auf Distanz bleiben. Wenn man von rechts angegriffen wird, wendet man sich nach links, wird man von vorn angegriffen wird, greift man den Gegner hinten an.

 

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Quellen : LIND WERNER - Das Lexikon der Kampfkünste; LIND WERNER- Okinawa Karate; Silvan, Jim - Okinawan Karate- Its Teachers and Their Styles; Nagamine, Shoshin - Tales of Okinawa's Great Masters; Seijin Jahana: Legend of Choki Motobu (http://seinenkai.com/articles/sanzinsoo/choki.html), Noble, Graham: Masters of the Shorin ryu (http://seinenkai.com/articles/noble/noble-shorin1.html - insbesondere Teil 3)