MIYAGI CHOJUN (1888-1953)



  MIYAGI CHOJUN
MIYAGI CHOJUN auch (MIYAGISUKU) wurde am 25. April 1888 in Higashi Machi / Naha geboren. Er begann schon als Kind mit dem Studium des Karate. Seine Familie, niederen Adels, verdiente ihr Geld mit der Einfuhr chinesischer Medizin und gehörte dadurch zu den reichsten in ganz Naha.
Der Vater des jungen Chojun, MIYAGI CHOSHO, der dritte Sohn der Familie, starb als Chojun fünf Jahre alt war. So wurde er von der Hauptfamilie adoptiert und als Erbe eingesetzt. Aufgrund der hohen Verantwortung, die Chojun jetzt hatte, entschloss sich seine Mutter, ihn in den Kampfkünsten ausbilden zu lassen. Sie brachte den damals 11-jährigen zu Meister ARAGAI KAMADEUNCHI, der der erste Lehrer von Miyagi wurde. Im Alter von 14 Jahren wurde er durch seinen Lehrer dem Meister HIGASHIONNA KANRYO vorgestellt und wurde sein Schüler.
Auf Anraten von Higashionna reiste er 1904 (wahrscheinlich in Begleitung von GO KENKI) zu ersten Mal nach China. Dort blieb er bis 1908 (diese Reise ist jedoch geschichtlich umstritten).
Jedenfalls übte er insgesamt etwa 15 Jahre unter Anleitung von Higashionna Kanryo bis zu dessen Tod im Oktober 1916. Das Stilerbe übertrug Higashionna jedoch auf KYODA JUHATSU. 
Miyagi reiste im selben Jahr zusammen mit Go Kenki nach China in die Provinz Fukien (Fuzhou), um dort das ehemalige Baihequan dojo seines Lehrers zu suchen, das Dojo, in dem RYU RYUKO lehrte. Doch das Gebäude war zerstört und Miyagi erfuhr durch einen Schüler Ryukos, dass die meisten chinesischen  Kampfkunstexperten getötet oder nach Singapur bzw. Malaysia geflohen waren. 
So blieben Miyagi und Go Kenki zwei Jahre beim Nachfolger von Ryu Ryuko.
Nach der Rückkehr nach Okinawa 1917, begann Miyagi, eine Synthese seiner bisherigen Kampfkunsterfahrungen zu entwickeln, in die Stile wie das Ryukyu Kempo (Higashionna), Baihequan (Ryu Ryuko), Xingyiquan und das Tanglangquan einflossen. Miyagi studierte auch die Rokkishu (die sechs Handformen des Shaolinquan). Daraus entwickelte er die heute bekannte Form Tensho. Er übte auch die Kata Sanchin von Meister Higashionna mit geschlossener Faust, auch wenn er in Fuzhou sicher auch andere Sanchin-Formen kennenlernte.


Hojoundo Training im Karate Kenkyu Club, 1926. 
Von links nach rechts SENAHA TOKUNORI, MADAMBASHI KEIYO, 2 unbekannt, MIYAGI CHOJUN, HIGA SEIKO, unbekannt, KINA SEIKO.

Miyagi war auch im Besitz einer Kopie des Bubishi, dessen Lehren er in der Tensho zu überliefern, die er mit Hilfe der Rokkishu und Sanchin entwickelte. Beider Versionen hatte er von Go Kenki gelernt.
Als einer der ersten, die öffentliche Demonstrationen ihres Könnens abhielten, veranstaltete er 1921 vor Kaiser Hirohito in Okinawa und 1925 vor Prinz Chichibu eine aufsehenerregende Vorführung. Sein Ziel war die Organisation des okinawanischen Karate, dem er schon 1925 eine weltweite Verbreitung voraussagte. Um sein Ziel zu verwirklichen, gründete Miyagi zusammen mit anderen Meistern 1926 in Wakasa cho, Naha shi einen Karate-Club namens Okinawa Karate Jutsu Kenkyukai (Karate Forschungs Club), dessen Ziel das Unterrichten des Karate und universellen Aspekten war.
Aus diesem Grunde wurde er von mehreren Meistern geleitet, die sich beim Unterrichten abwechselten. Diese Meister waren: MIYAGI CHOJUN (Naha te), MOTOBU CHOJU (Motobu ryu), MABUNI KENWA (Shito ryu) und HANASHIRO CHOMO (Shuri te). Das Training, bei dem auch theoretische Seminare fester Ausbildungsbestandteil waren, fand in einem Garten statt.


Miyagi (links) und Kyoda


1927 erhielt der Club einen besonderen Besuch : der Judo-Meister KANO JIGORO und sein Schüler NAGAOKA HIDEKAZU besuchten ihn, um das okinawanische Karate kennenzulernen. Wichtige Karateprinzipien wie Atemi, Tuite und Nage waza wurden von Miyagi demonstriert, anschließend zeigten die Besucher ihre Fähigkeiten. Seit dieser Zeit hatte Miyagi Briefkontakt zu Kano, der ihn später bei der Verbreitung des Karate in Japan unterstützte. Leider wurde der Karate Research Club 1929 aufgelöst, weil die Lehrer ihre eigenen Wege gingen.

Im Jahr 1929 gab Miyagi, sieben Jahre nach FUNAKOSHI GICHIN, eine große Kampfkunstdemonstration. Damals hatte er auf Okinawa schon einige bedeutende Schüler herangezogen, u.a. YAGI, HIGA, MIYAZATO. In diesen und den darauffolgenden Jahren reiste Miyagi viel in der Welt umher, um sein Wissen über die Kampfkünste zu vertiefen, wofür er einen beträchtlichen Teil seines Vermögen aufwendete. 
So begab er sich 1932 auf Einladung der Kansai-Universität nach Osaka, später nach Kyoto und Tokyo, wo er YAMAGUCHI GOGEN (genannt Neko – die Katze) kennenlernte, der ein sehr wichiger Schüler von ihm wurde. Endlich, 1933, wurde sein Stil formell in die Listen des Butokukai in Japan eingetragen und 1934 wurde er sogar als Leiter der Butokukai-Zweigstelle auf Okinawa eingesetzt. Er blieb bis 1935 in Japan und ernannte daraufhin Yamaguchi zu seinem Nachfolger in Japan.
Eine wichtige Station auf den Reisen Miyagis wurde Hawaii, wohin er 1934 von KINJO CHINEI, dem Herausgeber der Zeitschrift Yoen Jiho Sha) eingeladen wurde, um dort Karate vorzustellen und zu lehren. So reiste Miyagi im Mai 1934 nach Hawaii, wo er viele Demonstrationen gab und bis 1935 regelmäßig lehrte.
Seine Reisen endeten 1935, als Miyagi nach Okinawa zurückkehrte und dort bis an sein Lebensende unterrichtete. Nur 1936 reiste er noch einmal nach Zentralchina, wo er in einem Tempel den Zen-Buddhismus und das Baguaquan studierte.
Der Butokukai verlieh ihm 1937 den Titel Kyoshi.
Erst 1940 schloß Miyagi die Entwicklung seines eigenen Stils, dem Goju ryu ab und führte die von ihm etwa 1914 gegründeten Kata Gekisai dai ich und Gekisai dai ni in sein System ein. Er bezeichnete seinen Stil als hart (go) – weiche (ju) Schule. Die Extreme in seinem Stil waren die Tensho und die Sanchin. In seinem Stil verband er das Naha te, das er von Higashionna gelernt hatte, mit besonderen Atmungsmethoden namens Ibuki (wahrscheinlich hergeleitet aus dem chinesischen Quanfa-Stil Taizu).
Zu dieser Zeit befand sich Miyagi abwechselnd in Japan und Okinawa, als 1941 der Krieg ausbrach, in dem er seinen dritten Sohn JUN und seinen ältesten Schüler SHINZATO JINAN verlor. Seitdem erteilte er keinen Unterricht mehr und zog sich zurück.
Nach Kriegsende kehrte er nach Okinawa zurück und zog in die Stadt Ishikawa. Erst 1946 nahm er den Unterricht wieder auf und wurde Direktor der „Okinawa Civil Association of Physical Education“ und lehrte auch an den Polizeischulen von Okinawa.


Sitzend von links: HIGA SEIKO, TABARA TAIZO, MABUNI KENWA, MIYAGI CHOJUN, JUHATSU KYODA, SHINZATO JIN'AN und MADAMBASHI KEIYO

1946 gründete er auch ein Dojo neben seinem Haus in Tsuboya cho, wo heute noch sein vierter Sohn lebt. Es entstanden zwei Hauptlinien des Goju ryu, das japanische (Yamaguchi Gogen) und das okinawanische Goju ryu (HIGA SEIKO), welche sich nach dem Tod von Miyagi getrennt voneinander entwickelten.
Die Vereinigung für das okinawanische Goju ryu wurde 1952 gegründet. Am 8.Oktober 1953 starb Meister Miyagi. Er hatte einige bedeutende Schüler hervorgebracht. Doch das Goju ryu begann sich zu zersplittern und die einzelnen Schulen streiten bis heute um die Nachfolge.
Seine Nachfolger in Okinawa waren HIGA SEIKO, YAGI MEITOKU und MIYAZATO EI’ICHI. Yagi Meitoku, der höchstgraduierte Schüler von Miyagi, führte nach dem Tod von Miyagi 1953 in dessen Dojo mit dem Unterrichten fort und erbte 1963 den Gürtel und den Gi von Meister Miyagi. 
Die wichtigsten Schüler von Miyagi waren : HIGA SEIKO (1898-1966), SHINZATO JINAN (1900-1945), MADAMBASHI KEIYO (1896-1983), TAMAKI YUSEI, SAKIYAMA TATSUNORI, KINA SEIKO (geb. 1911), YAGI MEITOKU (geb. 1912), MIYAZATO EI'ICHI (geb. 1922), MIYAGI AN'ICHI (geb. 1931), NAJO KIJU, TAMAKI BUSHUN, TASAKI KOGYU, NAKAIMA GENKAI (geb. 1908), FURUGEN SHUNSHIN (geb. 1913), TOMOYOSE KIEI (geb. 1912), MIYAZATO EIKO (geb. 1915), YAGI KAMAREE, YOGI JITSUEI, UEHARA YUKINORI, IHA KOSHIN, ARAGAKI SHUICHI, NIIZATO, YAMAGUCHI GOGEN und AREMA.

 

Das Buch "Die Meister des Karate und Kobudo" zu diesen Biographien gibt's hier



Bücher: MIYAGI CHOJUN – An Outline of Karate-doh

Informationen: über Miyagi von HIGAONNA MORIO – The History of Karate: Okinawan Goju-Ryu, Dragon Books, LIND WERNER – Okinawa Karate, Sportverlag, LIND WERNER – Das Lexikon der Kampfkünste, Sportverlag, BISHOP MARC – Okinawan Karate, A&B Black

 



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 letzte Änderung : 9. April 2003