NAKAYAMA MASATOSHI (1913-1987)




 
NAKAYAMA MASATOSHI
 
Einer der bekanntesten Meister des Shotokan-Karate ist Nakayama Masatoshi, der einem alten Samurai-Geschlecht (Sanada) aus Tokyo entstammt. Geboren wurde er 1913 in Kanazawa. Die Kampfkünste hatten in seiner Familie eine lange Tradition. Sein Großvater NAKAYAMA NAOMICHI war Lehrer der Schwertkunst. Sein Vater NAKAYAMA NAOTOSHI studierte Judo.
Da sein Vater als Stabsarzt bei der Armee arbeitete, kam Nakayama schon als Kind nach Taiwan, wo er Kendo und andere Budo-Künste lernte. Ziel seiner Eltern war es, dass Nakayama auch medizinischer Offizier wird.
Doch Nakayama träumte schon lange davon, nach China zu gehen. Aus diesem Grund schrieb er sich nicht wie geplant an der Himeji-Universität (Medizin), sondern an der Takushoku-Universität ein, um die Geschichte und Sprache Japans zu studieren. Diese Universität sollte Japaner ausbilden, die Japan im Ausland vertreten (insbesondere in Südostasien). Ging es doch zu dieser Zeit darum, die (militärische) Expansion Japans in Asien vorzubereiten.
 
An der Uni schrieb er sich bei der Kendo-Klasse ein, verwechselte jedoch die Trainingszeiten und landete so aus Versehen in der Karate-Klasse, in der FUNAKOSHI GICHIN unterrichtete. Nakayama beschrieb das Treffen so :

Plötzlich kam ein alter Mann ins Dojo und begann die Schüler zu unterrichten. Er war sehr freundlich und lächelte jeden an, aber er war ohne Zweifel der Cheftrainer. An diesem Tag erhielt ich einen ersten Eindruck von Meister Funakoshi und Karate. Ich entschied mich, dass ich ihn sehr mochte und versuchen würde, an der nächsten Karate-Klasse teilnehmen würde, da es aufgrund meiner Kendo-Erfahrung leicht sein würde.

Beim nächsten Treffen geschahen zwei Dinge, die mein Leben veränderten: Erstens, vergaß ich Kendo komplett, und zweitens bemerkte ich, dass Karate-Techniken nicht leicht auszuführen waren. Seit diesem Tag habe ich nie den Ergeiz verloren, die Techniken des Karate-Do zu meistern.

So begann 1932 mit dem Karate-Studium. Zu dieser Zeit bestand das Karate-Training unter Funakoshi aus dem endlosen Wiederholen von Kata und dem Schlagen des Makiwara. Nur etwa zehn Prozent der Schüler waren nach sechs Monaten immer noch da. Die Generation, die mit Kämpfen im Kendo, Judo etc. aufgewachsen war, konnte mit dieser Art Training nichts anfangen. So gab es, anfänglich ohne Wissen von Funakoshi Gichin, erste Bestrebungen Zweikämpfe im Karate einzuführen. So wurde 1933 das Gohon-Kumite, 1934 das Jiyu-Ippon-Kumite und 1935 das Jiyu-Kumite eingeführt. Nakayama Masatoshi gehörte zu denen, die 1936 erstmals diese neuen Trainingsformen im Tokyo Civic Center vorführten. Er lernte ca. vier Jahre mit Unterbrechungen bei Funakoshi. Täglich übte er fünf Stunden Karate.
 

Neben seinem Karatetraining studierte Nakayama die chinesische Geschichte und Sprache. 1933 reiste er erstmals für drei oder vier Monate in die Mandschurai. 1937 reiste er nochmals nach China als Austauschstudent und um später bei der chinesischen Regierung zu arbeiten. Erst 1946 kam er nach Japan zurück.
Auch während dieser Zeit übte er sich in den Kampfkünsten, allerdings den chinesischen.

Durch seinen Auslandsaufenthalt bekam er von den enormen Veränderungen des Shotokan in den Jahren 1939 bis 1943 nichts mit. So musste er nach seiner Rückkehr viele Dinge lernen, wobei ihm MIYATA MINORU besonders half, da er auch nicht als Gleichberechtigter neben EGAMI SHIGERU, NISHIYAMA HIDETAKA und OBATA ISAO akzeptiert wurde.
Nakayama begann zu dieser Zeit, Karateka für die Idee der Umwandlung des Karate in einen Wettkampfsport zu begeistern. So gewann er u.a. auch Nishiyama und Obata für diese Idee. Mit ihnen gründete er im Mai 1949 die JKA (Japan Karate Association) und legt als erstes Ziel dieser Organisation fest, Regeln für das Wettkampfkarate zu erarbeiten und mit Hilfe von Instruktorenkursen Karate zu verbreiten. Nakayamas Organisationstalent hilft ihm bei der Bewältigung dieser Aufgaben. Funakoshi wird, wahrscheinlich ohne dessen Zustimmung, als Ehrenvorsitzender der JKA eingesetzt.
Doch der Weg der JKA verläuft in den Jahren nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Viele namhafte Meister verlassen die JKA, um eigene Organisationen zu gründen. Am Ende der 50er Jahre ist Nakayama fast allein.

Schon 1947 heuert Nakayama als Trainer für die Karate-Klasse der Takushoku-Uni an. Später, 1952, wird er zuständig für die körperliche Ausbildung der Studenten. Im Rahmen dieser Stelle schafft er 1956 das Instructor-Trainings-Programm der JKA. Die nach einigen Jahren der Ausbildung fertigen Instructoren werden in die ganze Welt gesandt, um Karate zu verbreiten. Dank Nakayama, der auch den Instructorenkurs leitet, wächst die JKA sehr schnell und verbreitet Karate durch die Instruktoren weltweit.

Als Nakayama am 15. April 1987 stirbt, fehlt es der JKA an einem Nachfolger und die rasante Zersplitterung der JKA und des Shotokan überhaupt beginnt.

 
 
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Quellen:
Hassell, Randall G., Conversations with the Master – Masatoshi Nakayama, Focus Publications, 1983
http://www.fortunecity.com/olympia/baylor/285/nakayama.html
 



 

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letzte Änderung am 29. Mai 2005