SOKEN HOHAN (1889-1982)




Soken Hohan

 

Der Begründer des Karate-Stils Matsumura Seito, SOKEN HOHAN wurde am 25. Mai 1889 im Dorf Gaja (Nishihara) geboren. Die Mutter Hohans war die Schwester von MATSUMURA NABE, der Enkel von MATSUMURA SOKON (genannt Bushi Matsumura) war. Dadurch hatte Soken Hohan die Möglichkeit, bei seinem Onkel im Alter von 13 Jahren (1902 oder 1903) mit dem Üben des Karate und Kobudo zu beginnen. Zu dieser Zeit wurde das Karate "Uchinan Sui-di" genannt. Soken Hohan war der einzige Schüler seines Onkels, da dieser nur Familienmitglieder unterrichten wollte. Der Stil, den Soken lernte, war ein alter, seit Bushi Matsumura unveränderter Stil. Er übte immer im geheimen.
Zuerst lernte Soken, zu gehen. Dazu legte sein Onkel Bananenblätter auf den Boden, auf denen Soken balancieren musste. Er arbeitete am Tag und zwei mal am Tage: morgens übte er das Schlagen und Konditionierung, in der Nacht Zwei-Personen-Übungen, Kotekitae und Kata.

Die wichtigste Kata, die er lernte war die Kushanku. Manchmal wurde sie auch mit Haarnadeln in den Händen geübt, was durchaus keine seltene Kampfmethode war. 

Nachdem er 10 Jahre lang die Grundlagen des Karate gelehrt wurde, entschied sich Matsumura, Soken in die Geheimnisse der chinesischen Kranich-Kata Hakutsuru (Hakucho) einzuweihen. Diese war eine besonders streng geheimgehaltene Kata aus dem "Familienbesitz" der Matsumura. Einige Quellen behaupten, Sokon soll sie nicht bei seinem Onkel gelernt haben, sondern sie in China selbst aus dem Shaolin-Kloster von Fukien mitgebracht haben. Doch Soken selber sagt, er hätte sie nach zehn Jahren harten Trainings von seinem Onkel gelernt. Das besondere bei Soken Hohan war, dass der diese Kata auf einem Brett übte, das auf einem Teich schwamm. 

Viele wollten später diese Kata von Soken gelehrt bekommen, aber sogar Meister FUNAKOSHI musste unverrichteter Dinge abziehen.

Weiterhin studierte er die okinawanischen Waffen unter Komesu Ushi-no-tanmei (auch USHI KOMESU) und später unter Tsuken Mantaka. Er unterrichtete später Bo, Sai, Tonfa, Kama, Nunchaku, Kusarigama und Suruchin.

Soken Hohan lernte auch bei den Meistern MABUNI KENWA und GOKENKI.  

 
Soken Hohan selbst war nicht vermögend und arbeite als Rikscha-Fahrer. Um sein Geld etwas aufzubessern, schützte er Bauern von Dieben und Wilderern. Doch die Not zwang 1924 ihn, nach Argentinien auszuwandern, um dort erst als Fotograph und später als Kleider-Wäscher zu arbeiten, bis er 1952 (lt. Interview mit ihm und nicht wie einige Quellen behaupten 1945) wieder zurückkehrte.
 

Zurück auf Okinawa begann er, Familienmitglieder zu unterrichten, die dann ein kleines Dojo eröffneten, welches er "Hogen" nannte. Er nannte seinen Stil etwa 1956 in Matsumura Seito Shorin ryu (vorher Matsumura Shuri-te). Er unterrichtete nach den alten Methoden, und sagte selber, dass er die neuen Lehrmethoden nicht verstünde. Er lehnte sie als zu weich und zu kommerziell ab. Deshalb trat er auch keinen er neuen Organisationen bei. Erst später, als er die ersten Amerikaner unterrichtete, änderte er seine Trainingsmethoden. 

Für ihn war die Lehrer-Schüler-Beziehung sehr wichtig. Seiner Meinung nach war sie die Grundlage, um Schüler überhaupt in die Geheimnisse des Karate einführen zu können. Er war nie ein Freund der Japaner, die er für oberflächlich hielt. 

Schüler Soken Hohan's waren u.a. TAIRA SHINKEN, ARAGAKI SEIKI, INOUSE MITSUO, MAKABE CHOJUN, ISAMU TERUYA, KOHAMA JUSHIN, NAKAZATO HIDEO, KISE FUJI, KUDA YUICHI, YABIKU TAKAYA.

Das Dojo wird seit seinem Tod im Dezember 1982 von KISE FUJI (auch FUSEI) weitergeführt.

Regeln von Soken Hohan :

1. Sei immer höflich
2. Konzentriere dich beim Training auf die Grenzen deiner geistigen Ausdauer. Gib all deine geistige und körperliche Kraft im Training, denn fehlende Konzentration verhindert den Fortschritt.
3. Das körperliche, geistige und spirituelle Training sollte in der Ausbildung des Schülers kombiniert werden. Das Herz, der Geist und der Körper sollten stets eins sein.
4. Beachte den Rat deines Meisters und der erfahrenen Schülern deines Dojos und anderer Dojos. Hör ihnen aufmerksam zu und vergiss ihren Rat nicht.
5. Das Zuhören und das Beobachten sind der Schlüssel zum Fortschritt.
6. Um voranzuschreiten, muss man nach dem wahren Wesen der Kunst streben.
7. Das Training ist eine stetige Basis und man lernt ständig ein wenig hinzu. Unterbreche dein Training nicht, es würde nur einen Rückfall in deinem Können bedeuten.
8. Strebe immer nach Fortschritt und wenn du voranschreitest, prahle damit nicht.
9. Selbstlob und Übermut sind wie eine Krankheit und stören dein Training.
10.Halte dich fern von jeglicher Art von Drogen und iss nicht zu viel, dies sind Angewohnheiten, die die Effektivität deines Trainings behindern.
11.Kampfkunsttraining kennt keine Grenzen. Schritt für Schritt, Lehre für Lehre und eines Tages wirst du unzweifelhaft den Tempel der Shaolin betreten.

Sein letztes Gedicht:

"I have taught you all I know. There is no more I can teach you. I am a candle whose light has traveled far. you are my candles to whom I have passed on my light. It is you who will light the path for others. Today I see around me the lights of Shaolin. 
The flame of tomorrow. My task is done, soon my flame will end. Teach the true spirit of karate-do and one day you may enter the Temple of Shaolin"

"Ich denke du weißt alles. Ich kann dir nichts mehr beibringen. Ich bin wie eine Kerze, die langsam erlischt.
Ihr seid wie Kerzen und ich gab mein Feuer an euch weiter. Ihr werdet es auch sein, die weitere Kerzen erleuchten werden.
Heute sehe ich um mich und sehe das Feuer der Shaolin. Dies wird auch das Feuer von Morgen sein. Meine Aufgabe ist erfüllt, so wird mein Feuer bald verschwinden. Lehrt das wahre Wesen des Karate do und eines Tages werdet ihr vielleicht auch den Shaolin Tempel betreten."

Aus einem Interview:

"Ich glaube es gibt zwei Arten von Schülern- der treue und motivierte, welcher die okinawanischen Künste lernen möchte. Der andere ist eher individuell und möchte nur sagen, dass er Karate lernt. Von diesem gibt es weitaus mehr. Es sind die, die du überall sehen kannst. Sie sagen sie "kennen" Karate oder sie "betreiben" Karate - dies sind wertlose Einzelgänger."

"Karate ist weitaus mehr als nur zu schlagen, zu treten und zu blocken. Es ist die Studie des Waffenkampfes und des Ringens. Waffenkampf und der Kampf ohne Waffen geht in einander über. Wie könnte man schon wissen, wie man sich gegen Waffen verteidigen kann, wenn man nicht mit ihnen vertraut ist?"

 

Das Buch "Die Meister des Karate und Kobudo" zu diesen Biographien gibt's hier



Einige Quellen:
Übersetzungen (kursiv) : Christof Jahns (Dojo Kusunoki)
http://www.geocities.com/Colosseum/Field/5699/dojo.htm
http://www.seitokaratedo.com/Sokenbiofiles/sokenbio1.htm